DJ-Portrait - Oliver Wilhelm (Oliver Will)

January 12, 2019

 

Zunächst einmal vielen Dank Olli, dass du dir die Zeit genommen hast, mir ein paar Fragen zu beantworten.

 

Neben deinem Hauptjob, der viel Zeit in Anspruch nimmt, legst du auch regelmäßig als Event-DJ auf und produzierst auch coole Remixe unter deinem Pseudonym „ Oliver Will „. Mich würde mal interessieren, wie du zum " Popschlager-Titan aus Dinslaken " geworden bist ? Man munkelt ja, dass es eine Bontempi Gebläseorgel war, die 1984 deine Liebe zur Musik geweckt hat ;)

 

Die Bontempi Orgel war es nicht. Dann wohl eher die Bassgitarre. Eigentlich sind es erst 7 Jahre, die ich mich mit Schlager befasse und es waren wie so oft im Leben Zufälle, die mich zu meinem unermesslichen Reichtum und internationalen Ruhm gebracht haben.

Da ich mich für das Thema Produktion sehr interessiert hatte und der Vater eines sehr guten Freundes der Geschäftsführer einer Agentur für Verlag, Booking und Produktion ist, welche in den 90er Jahren schon richtig große internationale Hits promotet hatte, die DJs alle noch heute spielen, wurde ich einmal gefragt ob ich Bock hätte, mir im Studio eine Schlagerproduktion anzuhören und die Entstehung zu sehen. Damals ging es um einen Titel von Andreas Lebbing – Dosis Liebe.

 

Da ich bis zu diesem Zeitpunkt Schlager als reines " Arbeitsmittel " bewertet hatte, war ich um so mehr überrascht wie dynamisch und modern es doch klingen kann. Ich habe dann bei einem weiteren Track mitarbeiten dürfen und war extrem begeistert. Mittler-weile habe ich meinen kleinen Tonkeller und verbringe dort viel Zeit mit " Try and Error " und habe nun,wenn ich richtig zähle 9 offizielle Remixe draußen.

 

 

Mit deinem Remix für Christian Franke " Ich wünsch dir die Hölle " warst du wochenlang in den offiziellen Charts. Auch hast du für Michael Wendler bereits einen Remix (Einmal noch) erstellt. Wie kommst du eigentlich an deine Remix-Aufträge ?

 

Mein Telefon steht nicht mehr still. Wie das auch in der DJ-Welt ist, ohne Netzwerk funktioniert da nichts. Es sind ja auch keine Major Labels und/oder Top Stars für die ich hin- und wieder an einem Track basteln darf. Daher komme ich derzeit mit meiner Strategie " wer kennt wen " noch gut zurecht. Zu 100% sind es keine Anfragen durch Manager, sondern eher einfach Seilschaften.
 

Michael Wendler habe ich einfach angesprochen. Ich bin von seiner Musik wirklich ein sehr großer Fan und für mich war es nicht nur ein Stern in meiner Vita, sondern mir hat das richtig viel bedeutet, als kleiner DJ aus Dinslaken für einen Künstler aus Dinslaken einen RMX erstellen zu dürfen.

 

Ich habe ihn nach einem " gemeinsamen " Auftritt in der Kabine einfach angesprochen, hatte mich aber vorher schon per E-Mail bei Claudia Wendler abgesichert. Michael sagte, dass er es für eine prima Idee hält und gerne einen RMX von mir hätte. Alles weitere sollte ich mit Claudia und dem Label besprechen. Da aufgrund von personellen Umstruk-turierungen bei dem Label Telamo die Kommunikation zur Abwicklung zähflüssig ge-laufen ist, hatte ich jemanden gefragt dem ich vertraute, ob er das ein wenig anschieben könnte. Da derjenige seinen guten Draht zum Produktmanagement betonte. Was sich nun im Nachgang als Fehler erwiesen hatte, aber diesen Tiefschlag habe ich weggesteckt und sehe positiv den Folgealben entgegen.

 

 

Wenn man dich einmal als Event-DJ live erlebt, dann fällt einem sofort auf, dass du spezielle Mixe/Versionen einsetzt. " Pimpst " du jeden Track in deinem Studio oder sind es nur bestimmte Titel, die mal ein längeres Intro oder eine härtere Bassdrum benötigen ? Und wie gehst du dabei vor ?

 

Bei Events finde ich es wichtig, dass der DJ nicht permanent versucht, gegenüber dem Künstler als Stimmungsmacher mit dem Mikro noch eines draufzusetzen. Lustige Moderation zwischen den Acts ist wichtig, klar... aber alle 30 Sekunden zu fragen wo die Hände sind finde ich drüber. Ein Event DJ sollte aus meiner Sicht in seinen Blöcken durch gute Musik überzeugen. Dazu ist ein fluffiges " In The Mix" notwendig. Auch wenn ich damit vielleicht nicht nur Freunde finde, aber Fade-In-Fade-Out ist dabei unter-qualifiziert. Kann man machen, ist aber Kacke. Zunächst einmal muss ich sagen, das ich hier abgewandelte Versionen für die größeren Bühnen nutzte.

 

Es gibt immer mehr Remixe, die ein fluffiges Mixen ermöglichen. Fosco, HüMa, Franz Rapid, Harris & Ford, JoJo u.v.m. Die Kollegen bieten mit ihren Versionen schon die perfekte Grundlage für einen sauberen Mix. Oftmals gibt es aber keine oder noch keine Extended Mixe und gerade im Schlager hat man sofort Melodien oder Vocals am Start. Da den richtigen Punkt zum Einstieg zu finden ist nicht so einfach. Ergo – mache ich mir meine eigenen Extended. Ich bereite die Tracks die ich spiele schon daheim im Studio mit meiner Produktionssoftware vor.

 

Ich bearbeite eine Kick so lange mittels EQs und weiterem, bis sie der originalen Kick des Tracks sehr nahe kommt oder gleich klingt. Das ist dann die Basis für ein ver-längertes sauberes Intro (8 – 16 Bars) wie aus der Elektronischen Musik bekannt. Ich füge noch Percussion nach Wahl hinzu und Uplifter oder Snare/Drum Fills für den Einstieg in den originalen Track. Wenn der Song eine markante Sequenz/Melodie hat, ist es auch möglich diese gefiltert oder nachgespielt in das Intro zu packen.


Sind im originalen Track zu viele Breaks und mein Publikum sind Tänzer, so kann ich mit dem richtigen Beat auch diese ruhigen Passagen brücken. Somit habe ich meine Wunschtitel schon alle als DJ Extended am Start und muss nicht hektisch Punkte zum Einstieg finden. Gelegentlich schustere ich mir aber auch Tracks mit einem Outro, um einfacher genreübergreifend mixen zu können. Wenn man auf einer Bühne steht und mehrere Tausend Menschen schauen hoch, muss das einfach reibunglos laufen. Klar könnte nun der ein oder andere Kollge sagen, das ich mir schön die Playlist vorbereite, um ohne großen Aufwand live mixen zu können und mit diesen Tracks könnte das ja jeder. Da muss ich sagen: STIMMT. Jedoch muss man auch die Vorarbeit als Skill betrachten.

 

 

 

Als Club & Event-DJ bekommst du das Discothekensterben am eigenen Leib mit. Willst du auch weiterhin in diesem Bereich tätig sein und planst du eine Neuausrichtung ?

 

Das " Clubsterben " habe ich wie viele von uns aktiv miterlebt. Es gibt sehr viele richtig gute Kollegen da draussen, mehr als Plätze hinter dem Pult. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Gagen. Da ich aber eisern bei dem mir gesetzten Anker bleibe, sind meine Clubgigs zwangsläufig weniger geworden. Ich bin aber auch nicht wirklich traurig drum, denn nach 26 Jahren ist die Motivation 9 Stunden im Club zu spielen extrem gesunken. Hin- und wieder gerne, aber kein muss. Schlagerpartys und weitere Events mit diesem Thema habe ich für mich als " Marktlücke " entdeckt. Das kann ich, das mache ich gerne. Ich möchte 2019 weiterhin mehr auf öffentliche Events mit dem Schwerpunkt Moderation fokussieren, denn das bereitet mir richtig Freude und bestätigt mich im meinem Tun.

 

Ich habe im Jahr 2018 aber auch wieder nach längerer Zeit 3 Hochzeiten bespielt. Für mich ist das aufgrund der unterschiedlichen Faktoren und Anforderungen an den DJ die Königsklasse. Im Club oder auf öffentlichen Partys ist in der Regel nach 20 Minuten die Tanzfläche voll...bis zum Morgen. Auf Hochzeiten muss der DJ die gesamte Klaviatur seines Handwerks beherrschen. Das hat mir große Freude bereitet und ich möchte 2019 gerne mehr private Feste und Feierlichkeiten bespielen. Ich bin mir auch bewusst, dass ich jetzt nicht um die Ecke komme und rufe: Hey Brautpaare...hier bin ich... und alle wollen mich buchen. Gerade als Wedding DJ benötigt man einen sehr guten Ruf, welchen sich Kollegen über Jahre hart erarbeitet haben. Das ein Schlager DJ sich da erst einmal beweisen muss, dessen bin ich mir bewusst. Aber um möglichst professionell in das Thema wieder einsteigen zu können, nutze ich das DJ-Tipps- Netzwerk. Hier erhalte ich von den Wedding Profis wertvolle Tipps. Mein Wunsch ist es im Jahr 2019 in Summe 10 Hochzeiten bespielen zu dürfen. Bis Dato sind schon 5 Verträge unterzeichnet. Also alles noch im grünen Bereich.

 

Aber das Diskothekenleben/Normalbetrieb gebe ich auf.

 

 

Vielen Kollegen hast du bereits tolle DJ-Logos erstellt und auch dein eigener Werbeauftritt ist echt klasse (vom Logo bis zur Homepage). Hast du das alles mal richtig gelernt ?

 

Jetzt wird es historisch. Ich bin eigentlich Dachdecker... ein Junge aus`m Pott, der niemals gedacht hätte beruflich Anzüge zu tragen. Ich habe mich dann vor 16 Jahren nochmals für die Schulbank entschieden und bin nun Marketingmanager und Diplom Trainer. Ich bin ein Typ, der stets eine kreative Herausforderung braucht und gerne Neues erlernt. Während meiner beruflichen Umstrukturierung musste ich irgendwie Geld generieren, mein bester Freund ist Inhaber einer Medienagentur - Mediendesigner für Print mit einer Ausbildereignung.

 

Um ein zusätzliches Einkommen durch Flyer etc. zu erhalten, ließ ich mich zusätzlich noch von ihm ausbilden. Das Kuriose ist, das der Freund mit der Musikagentur auch Teilhaber an einer der Top Werbeagenturen am Niederrhein ist. Somit erschloss sich auch hier eine weitere Symbiose der Zusammenarbeit. In dieser Zeit habe ich eigene Projekte & Kampagnen z.B für " The Voice Of Germany "; " Philips " oder "DM Drogerie-markt " entworfen. Aus Zeitmangel werfe ich den Rechner für Grafikarbeiten nur noch für eigene Zwecke oder Freunde an. Ich glaube auch das ich handwerklich nicht mehr gut genug bin/up to Date, um mich als Grafiker draußen noch behaupten zu können, wenn ich mehr als Pizzeriaflyer und Visitenkarten entwerfen möchte.

 

Nun verbleibe ich mit einem herzlichen " Wo sind Eure Hände "

Euer Dachdeckender, Logoentwerfender, Schlagerverwursterer, DJ und Marketing-manager aus Dinslaken...Oliver

 

www.oliver-will.party

 

Bildquelle: www.oliver-will.party

 

 

 

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© 2019 Jörg Backhaus

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